Liebes Corona-Tagebuch,…

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…heute ist Tag 17 in Isolation. Ich habe Netflix fertig geguckt, doch ich darf immer noch nicht raus. Außer zum Joggen und Einkaufen. Aber seit immer nur zehn Leute gleichzeitig in meinen Supermarkt rein dürfen, taugt Einkaufen nicht mehr zum Zeitvertreib. Neulich wurde ich nach vier Stunden rausgeschmissen. Und Joggen mag ich meinem Körper nicht länger zumuten. Schließlich habe ich die Sachen, die ich in den vergangenen drei Wochen gehamstert habe, alle aufgegessen.

Deswegen, liebes Tagebuch, habe ich mit Dir angefangen. Ich finde es schlimm genug, schon so lange Zeit mit mir allein zu sein. Aber so kommt dabei vielleicht wahre und tiefe Literatur heraus. Ich traue mir das zu. Ist doch krass, wenn man schlimme Erfahrungen aufschreibt, nicht wahr? So schonungslos.

Außerdem will ich, dass aus meiner Corona-Zeit etwas Besonderes erwächst. Etwas, das bleibt. Etwas, das mich von anderen unterscheidet. Mein Corona-Tagebuch, ein Akt des persönlichen Ausdrucks. So wie Ausdruckstanz, ich will wie Pina Bausch für das Genre des Tagebuchs sein. Und ein Dokument der Zeitgeschichte, das den Nachgeborenen ungeschönte Einblicke in diese merkwürdige Zeit bietet.

Die erste Seite ist vollgeschrieben – meine Corona-Taufe. Jetzt habe ich etwas eigenes.

Nun kann ich schreiben, wie einsam ich mich fühle. Einsamkeit, das ist ein ganz großes Gefühl. Aber so malträtiert meine Seele auch dasteht, ich bleibe positiv. Last soul standing.

Das hilft nicht nur mir, damit inspiriere ich andere, wenn sie dieses Tagebuch lesen. Ich habe das Gefühl, diese Gefühle müssen in die Welt hinaus. Die Welt verändern! Denn: Corona kann uns nichts, wenn wir nur positiv bleiben. Dann kann uns Corona mal.

Liebes Corona-Tagebuch, ich bin nun selbst ganz ergriffen von diesen Gedanken, diesen krassen Gedanken. Ich spüre, da reift noch mehr. Daran will ich anknüpfen, morgen.

Illustration von Free-Photos auf Pixabay